Die ersten Wochen in Sydney – Erfahrungen und Tipps

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Eileen, 21 Jahre, kommt aus einer Stadt namens Lörrach, nahe der Schweizer Grenze, und hat sich im September an das große Abenteuer Australien gewagt. Ein ganzes Jahr hat sie sich Zeit für die Vorbereitung und Planung genommen. Wie sie die Ankunft in Australien gemeistert hat und welche Ratschläge sie an kommende Backpacker hat, könnt ihr hier lesen.

Angefangen mich auf das Jahr in Australien vorzubereiten habe ich im September 2014. Durch verschiedene Berichte über Facebook-Gruppen habe ich mitbekommen, dass sich manche nur einen Monat Vorbereitungszeit genommen hatten. Ich jedoch bin ein sehr organisierter Mensch und liebe es zu planen. Ganze 8 Work & Travel Bücher habe ich mir gekauft, um mich hierauf vorzubereiten. Dieses Jahr der Planung hat mir geholfen mich sicherer zu fühlen, die Vorfreude zu vergrößern und schwierige Tage zu überstehen. Fast täglich habe ich mir YouTube Videos anderer Reisenden angeschaut, Blogs durchgelesen und mich über Orte von Australien informiert.

Nun bin ich hier in Australien und möchte mit meiner Geschichte anderen Reisenden helfen. Ich bin zwar erst seit einem Monat in Australien, aber in der Zeit habe ich schon eine Menge erlebt.

Ankunft in Sydney_Beach

Die Ankunft in Australien – Das Hostel

Mein Start in Sydney war großartig. Von Zuhause aus habe ich mir ein Hostel für 10 Tage gebucht. Soviel Zeit hatte ich geplant, um in Sydney alles zu organisieren. Über dieses Hostel war ich wirklich froh als ich angekommen bin, da ich keinen Nerv mehr gehabt hätte mir ein Hostel zu suchen. Ich kann jedem nur empfehlen im Vorfeld 10 Tage zu buchen. Ihr werdet wirklich so viel Zeit benötigen, um alles zu erledigen, bevor ihr weiter reisen könnt.

Manche werden Hostels lieben, manche hassen. Gewöhnen muss man sich auf jeden Fall an Kakerlaken, denn die gehören hier dazu wie Ketchup zu Pommes (selbst bei meinem Housekeeperjob in einem schönen Hotel finde ich immer wieder Kakerlaken), auf unordentliche Mitbewohner, auf Menschen die ihr Bett mit dem anderen Geschlecht teilen und auf Langfinger. Aber es gibt auch schöne Seiten am Hostelleben: Freunde fürs Leben, man ist nie allein, hat immer jemanden zum reden oder zum Sachen unternehmen.

Mit oder ohne Work and Travel Organisation?

Ich hatte mich entschieden, ohne Organisation zu reisen, denn in meinen Augen war es rausgeworfenes Geld. Aus diesem Grund musste ich mir meinen Bank Account, die Tax File Number sowie die SIM-Karte selber zulegen. All das habe ich an einem Tag geschafft und es ist wirklich nicht schwierig. Wenn ihr euch bereits im Vorfeld darüber informiert, dann könnt ihr das ganz leicht selbstständig schaffen. Ich habe ein paar Leute kennengelernt, die es bereut haben mit der Organisation hier zu sein, weil du an deinem ersten Tag erst einmal 8 Stunden in einem Raum sitzen musst und die dir irgendetwas erzählen was man bei gründlicher Vorbereitung auch so schon rausgefunden hat. Außerdem, was ich ziemlich blöd finde, wird dir schon eine Bankkarte von einer Bank gegeben, ohne dass du dich für eine spezielle Bank entscheiden kannst. Genau das Gleiche bei der SIM-Karte.

Ich bin einfach zu einer Bank gegangen, habe meinen Personalausweis vorgelegt und die Bankangestellten haben den Rest für mich erledigt. Bei meiner neuen SIM-Karte habe ich mich für die Prepaid Karte von Telstra entschieden, da sie den größten Teil von Australien abdeckt. Viele, die zur gleichen Zeit angekommen sind, haben ihren Anbieter später auch gewechselt.

Mit oder ohne Reisebuddy?

Ein weiteres Thema, das viele Work & Traveller vor ihrer Anreise beschäftigt, ist der Reisepartner. Ich bin alleine nach Australien gekommen, hatte aber ein Mädchen in meiner Heimatstadt, welches zur gleichen Zeit nach Australien geflogen ist. Ich war zwei Wochen früher in Sydney und habe mit ihr abgemacht bis Silvester gemeinsam zu reisen. Die ersten zwei Wochen war ich jedoch komplett auf mich alleine gestellt.

Ankunft in Sydney_Beach

In einem Buch, hat die Autorin geschrieben, dass man in Australien nur alleine ist, wenn man alleine sein will. Im Shuttle Bus habe ich dann tatsächlich die ersten Kontakte geschlossen und an meinem ersten Tag im Hostel schon eine neue Freundin gefunden. Hier wird man nie alleine sein, wenn man nicht will! Außerdem finde ich die Freundschaften, die man hier schließt, sind echter und tiefer. Man hat die gleichen Interessen und einen ähnlichen Charakter, die gleichen Ziele und Vorstellungen im Leben. Sowas findet man nicht oft. Hier schon! Ich habe aber auch viele Menschen kennengelernt, die früh realisiert haben, dass all das hier doch nicht so auf sie zutrifft.

Es gibt Menschen, die sind sofort in Australien und das Reisen verliebt, aber ich habe auch einige getroffen, die an ihrem zweiten Tag am liebsten schon wieder heim geflogen wären. Für einige war der Start zu anstrengend und mit zu vielen Herausforderungen verbunden. Manche haben sich gar nicht erst richtig getraut.

Sydney – Erste Eindrücke

An meinen ersten paar Tagen war ich richtig fasziniert, da Sydney sehr europäisch wirkt. Dann läuft man aber durch die Gegend und entdeckt diese Tiere und Pflanzen, die man noch nie zuvor gesehen hat. Und auch die Australier sind sehr freundliche Menschen. Wenn du mal einen Laden nicht finden kannst, lassen sie alles stehen und liegen und suchen so lange diesen Laden mit dir, bis du dort angekommen bist. All, das zeigt mir täglich, warum ich hier bin.

Ankunft in Sydney_Tiere in Sydney

Autokauf in Australien

An meinem dritten Tag in Australien habe ich mit der Suche nach einem Auto begonnen. In Deutschland hatte ich mir noch nie ein Auto gekauft und jetzt musste ich das komplett alleine hier in Australien machen. Ich bin wirklich kein Genie, was Autos betrifft und für mich war das meine persönliche Lebensaufgabe ein Auto ohne die Hilfe von meinem Papa zu kaufen. Zuhause noch hat er versucht mir die wichtigsten Sachen beizubringen, aber so wie es halt nun mal ist, wenn einen Reifen und Benzin und so ein Kram nicht interessieren…man vergisst es.

Ich habe meine Suche bei einem Autohändler begonnen, welcher mir mein Cousin empfohlen hatte. Für mich klang es vernünftiger sich ein Auto bei einem Händler zu kaufen, welcher Garantie auf die Autos gibt, da ich im Notfall immer noch eine Möglichkeit gehabt hätte das Auto reparieren zu lassen oder es zurückzugeben. Leider gab es diesen Autohändler nicht mehr. Über Facebook habe ich dann einen Aufruf gestartet, ob mir nicht jemand helfen könnte bei der Autosuche. So habe ich Felix aus Deutschland kennengelernt. Mit ihm bin ich zu den typischen Backpacker Car Spots gegangen, wovon ich wirklich jedem nur abraten kann! Die Autos sind viel zu überteuert und meist alte Schrottkisten. Mein Tipp: Schaut bei Gumtree und kauft euer Auto von einem Australier. Das Ausbauen zu einem Backpacker Auto ist leichter wie gedacht! Ich habe einen Mitsubishi Magna 2003 mit 157.000 km für 1.500 Dollar erworben. Das Auto ist ein Traum und war ein richtiges Schnäppchen. 50 Dollar habe ich nochmal einem anderen Backpacker aus Deutschland gezahlt, welcher mir das Auto vor Kauf gecheckt hat. Schlussendlich musste ich noch einmal 400 Dollar für neue Reifen und 500 Dollar für die Ausstattung zahlen. 2.400 Dollar für so ein Auto sind eigentlich nicht schlecht!

Mehr Infos: Auto kaufen in Australien & Fahrzeugzulassung

Auto-Versicherungen in Australien

Was aber wirklich noch an Kosten auf einen zukommen und wovon ich wirklich nirgendwo gelesen habe, sind die teuren Versicherungen für das Auto.

Jedes Auto braucht einen Pink Slip. Das sollte eigentlich der Autoverkäufer machen, bevor er das Auto verkauft. So kann geprüft werden, ob bei dem Auto irgendwelche Mängel sind. Wenn das Auto keinen Pink Slip hat, dann stellt euch darauf ein, dass ihr zu einer Werkstatt müsst, um diesen Pink Slip zu bekommen. Hat das Auto dann Mängel müsst ihr diese ebenfalls noch bezahlen. Deshalb schaut, dass der Verkäufer einen Pink Slip hat, der nicht älter als 3-4 Monate ist.
Nach dem Autokauf müsst ihr euer Auto ummelden lassen. Dies solltet ihr innerhalb von 14 Tagen machen, ansonsten könnte es teuer für euch werden wenn ihr damit fahrt. Hat das Auto keine Registration mehr, dann müsst ihr vor dem Ummelden noch eine Grundversicherung abschließen, genannt Green Slip. Erst mit dieser Grundversicherung könnt ihr das Auto ummelden und eine Registration, hier Rego, abschließen. Wenn das Auto noch registriert ist, dann braucht ihr erst eine Verlängerung des Green Slips wenn ihr die Rego verlängert.

Jedem Backpacker, kann ich nur empfehlen eine Zusatzversicherung abzuschließen. Diese ist teuer, aber lohnt sich. Ich hatte in meiner dritten Woche einen Ausparkunfall. Für die Zusatzversicherung würde ich euch empfehlen zu verschiedenen Versicherungsunternehmen zu gehen, da die günstigste nicht immer die beste ist. Ich hatte mich für eine günstige Versicherung entschieden, jedoch hat die Versicherung mir nach dem Ausparkunfall gesagt, dass sie den Schaden erst ab einer Summe von 2600 Dollar übernehmen. So bin ich auf den 330 Dollar sitzen geblieben. Es gibt viele Backpacker, die mich im Nachhinein gefragt haben wieso ich nicht einfach abgehauen bin, da ich ja keine feste Adresse habe. Diese Frage muss jeder für sich selber Beantworten. Ich habe gezahlt!

Alles in allem muss bei den Versicherungen mit einer Summe zwischen 1000-2000 Dollar gerechnet werden.

 

Jobsuche in Australien

Für mich war das viel Geld, womit ich nicht gerechnet habe, weshalb ich mir einen Job suchen musste. Jedoch wollte ich hierfür nicht in Sydney bleiben, sondern losfahren, die Ostküste entlang, in der Hoffnung ganz bald einen Job zu finden. Von Zuhause aus war ich es immer gewöhnt zwei Bewerbungen loszuschicken und immer eine Zusage zu bekommen. Naiv habe ich mir hier die gleichen Chancen ausgerechnet. Zwei Wochen lang bin ich bis nach Brisbane gereist, um schließlich wieder zurück nach Sydney zu kommen. Über 60 Anfragen habe ich über Gumtree rausgeschickt und vielleicht 4 – 5 Leute haben sich darauf gemeldet.

Nun bin ich wieder zurück in Sydney mit so gut wie keinem Geld mehr und arbeite als Housekeeper in einer Casual Position. Ein weiterer Tipp: Klar es ist ätzend gleich anzukommen und erst einmal ein paar Monate in der gleichen Stadt festhängen, aber mit unter 1000 Dollar werde ich nie wieder irgendwo hinreisen. Außerdem: Checkt alle 10 Minuten die Anzeigen von Gumtree. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Gumtree ist meiner Meinung nach die erfolgreichste Seite um an einen Job zu kommen. Ich habe auch die App Indeed ausprobiert für die in Sydney überall Werbung gemacht wird, aber da habe ich keine Rückmeldung erhalten.

Ihr könnt außerdem in eurem Hostel fragen, ob ihr für Unterkunft arbeiten könnt. Außerdem macht es auch Sinn Geld in Kurse wie den RSA, Cocktailkurse oder die Whitecard zu investieren. All das wird euch helfen, schneller und leichter einen Job zu finden, da diese Zertifikate fast überall gebraucht werden.

Mehr Infos: 10 Tipps für die Jobsuche in Australien

Ein Tipp an alle Backpacker

Zum Schluss möchte ich allen, die ihre Reise bald starten einen Tipp geben: Ja es ist schwierig! Der Abschied von den Eltern ist hart, manchmal gibt es Tage, an denen gar nichts läuft, wie es sollte und man möchte nur seine Eltern um sich haben, das Geld wird knapp, man hatte einen Autounfall, es ist schwieriger als gedacht einen Job zu finden…All das passiert hier in Australien, ihr werdet kein Jahr lang nur reisen können (ausgenommen ihr seid super reich). Aber all das werdet ihr irgendwie überstehen. Ihr solltet euch an die schönen Seiten Australiens erinnern – der Grund warum ihr hergekommen seid. Und wenn ihr das geschafft habt, werdet ihr ein anderer Mensch sein. Manche von euch müssen lernen alleine zu sein, denn viele können das nicht. Andere  müssen lernen die eigenen Grenzen zu überwinden und manche müssen merken, dass nicht alles so locker und gechillt ist wie sie sich das vielleicht gewünscht hätten. Auch ich musste das alles leider ziemlich schnell lernen und ich bin immer noch dabei!

 

Mehr Infos:

– RSA Zertifikat in Australien

– Kurse und Zertifikate in Australien

– Ankunft in Australien

– Hol dir die White Card Australia Online

 

Aktualisiert am 1. Mai 2019. Erstmalig veröffentlicht am 10. November 2015

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