Im Outback Australiens arbeiten – Erfahrungen in einem Rasthaus

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Lily, 25, kam im Februar 2018 mit ihrer Freundin Anaïs mit einem Working Holiday Visa nach Australien. Nach dem Kauf eines Lieferwagens suchten sie nach Arbeit mit zwei Zielen: die Finanzierung ihres Road Trips und ein einzigartiges Erlebnis. Welche Arbeitserfahrung sie in einem australischen Rasthaus im Outback machten, findest du in diesem Beitrag.

Die Jobsuche

Bevor du ins Ausland gehst, siehst du normalerweise Bilder oder Aufnahmen des Ortes, zu dem du reist. Dadurch hast du eine gewisse Vorstellung, was dich erwartet. Persönlich, als ich an Australien dachte, stellte ich mir roten Schmutz, Kängurus und weite Landschaften vor. So habe ich mir auch meinen ersten australischen Job vorgestellt. Nachdem wir unseren Lieferwagen gekauft hatten, machten wir uns auf die Suche nach einem Job außerhalb von Perth. Wie jeder anständige Backpacker, haben wir auf Gumtree nach Stellenanzeigen gesucht. Wir sind auch auf Arbeitssuche von Farm zu Farm gegangen und haben Anzeigen in Facebook-Gruppen geschaltet.

Das Job Angebot

Nach drei Wochen Arbeitssuche machten wir uns wirklich Sorgen. Damals kontaktierte uns ein Manager einer Raststätte, der unsere Facebook Anzeige sah. Nachdem wir alle möglichen Jobvorschläge, von der Arbeit als topless Kellnerinnen, bis hin zu Känguru Jägern erhalten hatten. Bekamen wir endlich das perfekte Angebot: als Farmarbeiter in einem Rasthaus/ Viehzucht Betrieb zu arbeiten. Inklusive Unterkunft und Verpflegung, wir brauchten keine 5 Minuten, um in den Lieferwagen Richtung Nullarbor Plain zu springen!

Dieser Job war perfekt für uns, weil wir drei Monate lang arbeiten wollten. Bevor wir einen Roadtrip an der Westküste machten. Außerdem hatte dieser Job den Vorteil, im Gegensatz zur Fruit picking, stabil zu sein! Kein Regentag oder unreife Früchte. Keine leistungsabhängige Vergütung und kein Saisonende. Das Gehalt schien weniger attraktiv zu sein als bei der Obsternte. Für die uns ein Minimum von $150 pro Tag versprochen wurde. Nachdem wir uns umgehört hatten, erfuhren wir, dass die meisten Backpacker auf Farmen etwa $100 pro Tag verdienten ($500 -$600 pro Woche). Das Rasthaus bot uns $90 pro Tag und $630 pro Woche, nach Abzug der Steuern an. Unsere freien Tage waren bezahlt und wir bekamen ein eigenes Zimmer für uns. Alle Mahlzeiten im Rasthaus Restaurant waren ebenfalls inkludiert.

Am Ende verdienten wir jeden Monat 2800 Dollar! So konnten wir viel Geld, für den Rest unserer Reise, beiseitelegen!

Unsere Arbeit als Farm Hand in einem Rasthaus

Zwei Tage nachdem unser neuer Manager angerufen hatte, erreichten wir eine alte Schäferei in der Nullarbor Plain. Eine Wüste, die vom Eyre Highway durchquert wird, der Western Australia mit Adelaide und Melbourne verbindet. Diese Wüstenautobahn erstreckt sich über 1200 km und ist von einer Vielzahl von Rasthöfen umgeben. Der, in dem wir wohnten, war nicht weit im Outback: 3 Stunden nördlich von Esperance und 100 km vom nächsten Dorf entfernt!

So kamen wir in unserem Lieferwagen, an einer der ersten historischen Station des Nullarbor an. Es war wirklich authentisch, mit seinen wunderschönen Steingebäuden und den Überresten von 1870. Es gab überall Kängurus und Emus, den „roten Dreck“ und einen farbenprächtigen Sonnenuntergang über den Hügeln: Ohne Zweifel waren wir in Australien!

Was ist ein Rasthaus?

Ein Rasthaus ist in der Regel ein Restaurant und Motel am Straßenrand. Unseres bestand aus einem Caravan Park, einem nachts geöffneten Restaurant, einem kleinen Shop bei der Rezeption und Ferienhütten (vom Einzelzimmer bis zu 6-Bettzimmer). Unser Rasthaus hatte auch einen eigenen Rinderbetrieb.

Unsere täglichen Aufgaben

Als Farm Arbeiter hatten wir viele verschiedene Aufgaben. Unsere Hauptaufgabe war putzen (Housekeeping klingt viel besser). Wir waren für die Reinigung der Kabinen und der Badezimmer zuständig. Den ganzen Vormittag verbrachten wir mit putzen. Die Nachmittage variierten von Tag zu Tag, so gehörten zu den Aufgaben manchmal Malerei, Gartenarbeit, Parkpflege und das Bauen von Zäunen. Da es nicht viele Mitarbeiter gab, gab es immer etwas zu tun. Wir haben 14 Tage lang 8 bis 10 Stunden am Tag gearbeitet. Wir hatten dann eine 4-tägige Pause, die wir normalerweise in Esperance und Kalgoorlie verbrachten.

Das Team bestand aus dem Landwirt, seinem Sohn und seiner Partnerin und der Köchin. Sie verließ den Betrieb kurze Zeit später, woraufhin Anaïs ihren Platz einnahm. Ohne Erfahrung in der Küche wurde Anaïs für zwei Monate offizielle Köchin! Was ziemlich typisch für Australien ist. Du erhältst eine Chance, wenn du auch ohne Ausbildung eine “can do attitude” hast. Ich begann neben dem Housekeeping an der Rezeption zu arbeiten. Ich begrüßte die Kunden, erledigte das Einchecken und den Shop. Uns wurde viel Verantwortung übertragen. Dadurch konnten wir sehr viel lernen!

 

Die Einsamkeit des Outbacks und seine einzigartigen Abenteuer

Alles hat seine Vor- und Nachteile. Im Outback leben heißt, du musst die Isolation akzeptieren! Im Umkreis von 100 km gab es keine einzige Bar und wir waren nur ein kleines Team. Und vor allem gab es nur wenig Internet, um Familie und Freunde, zu kontaktieren. Die Tage sind lang und anstrengend, mit anspruchsvollen Kunden an der Rezeption und in der Küche steht man unter Druck. 14 Tage lang ist dein Umfeld immer dasselbe. Nach einem anstrengenden Tag kannst du nicht einfach in eine Bar gehen oder nach Hause, um dich zu entspannen. Du verbringst den ganzen Tag mit den Menschen, mit denen du auch zusammenarbeitest! Ich bin der Meinung, wenn du eine solche Erfahrung in vollen Zügen genießen möchtest, tu es am besten gemeinsam mit jemanden, den du kennst. Wenn du mit deinem Partner oder mit Freunden dort bist, könnt ihr euch gegenseitig unterstützen. Vor allem, wenn du bei 35 Grad, 14 Tage lang Toiletten reinigen musst.  

Ein sehr abwechslungsreicher Job

Der Vorteil, wenn man Farm Hand ist, dass du alle möglichen Aufgaben erledigst, wodurch du viele Abenteuer erleben kannst. Um nur einige Beispiele zu nennen: mit Allradantrieb durch den Busch fahren, um die Rinder zu füttern. Die Hausarbeit erledigen, während du ein Baby Känguru und seine Mutter nur wenige Meter entfernt beobachtest. Mit den Welpen der Farm spielen, im Badezimmer einen Python finden oder mit Squig, dem Hauskamel des Betriebes, abhängen. Sogar, dass 20 Mülltonnen entleeren war aufregend, da wir dadurch in einem Quad durch die Anlage fahren konnten! Ein paar Tage nach unserer Ankunft ging ich ins Outback. Ich übernachtete 400 km von jeder Zivilisation entfernt, in einem Entdecker Lager eines Bergwerkes. Nachts unter den Sternen campen und tagsüber Bulldozer fahren, war ein einzigartiges Abenteuer!

Unsere Eindrücke nach dieser Erfahrung

Diese Erfahrung hat uns beide aus unserer Komfortzone gedrängt. Wir konnten uns wirklich entwickeln und wuchsen durch die Erfahrungen, die wir machten. Anaïs, die bei ihrer Ankunft in Australien nur ein paar Worte Englisch sprach, leitete die Küche eines Restaurants. Ich für meinen Teil hatte die Gelegenheit, den ganzen Caravan Park für einige Tage zu betreuen. Wir haben beide das australische Abenteuer erlebt, wie wir es uns vorgestellt hatten. Trotz der Isolation war es eine fantastische Erfahrung, voller sozialer Interaktionen.

Während dieser 3 Monate konnten wir eine Beziehung zu den Farmern des Betriebes herstellen und viel über den typischen australischen Lebensstil erfahren. Die australischen Leute, die wir jeden Tag trafen, waren überrascht, was zwei französische Mädchen im Outback verloren haben. Sie erinnerten uns täglich daran, dass 90 % der Australier an der Küste leben! Diese Erfahrung war selbst für Einheimische einzigartig.

 


Wenn du die Möglichkeit haben solltest, ein solches Abenteuer zu erleben, tue es! Menschen aus dem ganzen Land kennenzulernen. Die Wildnis zu genießen und dabei auf einzigartige und ungewöhnliche Weise Erfahrungen zu sammeln. Es war eine großartige Möglichkeit, das wahre Australien zu entdecken. Nachdem du ein paar Monate unter Schlangen, Spinnen und dem Dreck des Outbacks gelebt hast, bist du für jedes australische Abenteuer bereit!