Australiens Tierwelt ist wie keine zweite auf der Welt. Der Grund liegt in der Isolation des Kontinents: Seit Australien vor rund 30 Millionen Jahren endgültig von den übrigen Landmassen getrennt wurde, entwickelten sich hier Arten, die es sonst nirgendwo gibt. Etwa 80 % der Säugetiere, Reptilien und Amphibien Australiens sind endemisch — sie kommen ausschließlich hier vor.
Die Ankunft der Europäer im 18. Jahrhundert veränderte diese Tierwelt tiefgreifend: eingeschleppte Arten wie Füchse, Katzen und Kaninchen sowie der Verlust von Lebensräumen haben seitdem zahlreiche einheimische Arten verdrängt oder ausgerottet. Australien hält traurige Rekorde beim Artensterben. Umso beeindruckender sind die Tiere, die überlebt haben — hier sind die außergewöhnlichsten.
Der Wüstenteufel (Thorny Devil)
Der Wüstenteufel ist eine Eidechse, die komplett mit Stacheln bedeckt ist, was viele Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Er ernährt sich hauptsächlich von Ameisen (fast 2000 pro Mahlzeit), indem er sie mit seiner Zunge fängt. Der Dornteufel ist ein tagaktives Reptil, das bis zu 20 cm lang werden kann. Er lebt in den trockenen, sandigen Regionen Australiens und vergräbt sich im Sand, um sich vor der Hitze zu schützen.
In der Nacht kondensiert der Tau auf seinem Körper und am Morgen reibt er sich an dem mit Tau bedeckten Gras. Dann kanalisieren die hygroskopischen Rillen zwischen seinen Schuppen das Wasser in Richtung Munde! Ein raffinierter Prozess!
📍 Wo kannst du ihn sehen?
In trockenen, sandigen Gebieten Australiens:
- Northern Territory (südliche Regionen)
- Western Australia
- South Australia
- Queensland (westlicher Teil)
Obwohl der Dornteufel gut erforscht ist, gibt es noch immer Unsicherheiten über seine genaue Verbreitung und Populationsgröße. Halte also die Augen offen, wenn du durch die australische Wüste reist! 👀✨

Der tasmanische Teufel (Tasmanian Devil)
Der tasmanische Teufel ist das größte fleischfressende Beuteltier der Welt und beeindruckt mit seinem kräftigen Maul sowie seinen durchdringenden Schreien, die er während der Jagd ausstößt. Trotz seines aggressiven Auftretens ist er für den Menschen ungefährlich. Er ist nachtaktiv und nutzt sein starkes Gebiss, um selbst harte Knochen zu zerbeißen.
Mit einer Körperlänge von etwa 60 cm und einem Gewicht zwischen 6 und 12 kg ist der tasmanische Teufel ein kompakter, aber äußerst kräftiger Jäger. Seine Ernährung besteht hauptsächlich aus Aas, kleinen Säugetieren, Vögeln und Insekten.
Seit 1941 steht die Art unter Schutz, nachdem sie zuvor intensiv bejagt wurde. Die weitaus größere Bedrohung kam später: DFTD, eine ansteckende Gesichtstumorerkrankung, die seit den 1990er-Jahren rund 80 % der wilden Population ausgelöscht hat.
Es gibt aber Hoffnung. Frühere Prognosen sagten das Aussterben der Art voraus — eingetreten ist es nicht. Forschende beobachten inzwischen, dass sich die Population an die Krankheit anpasst: Einige Tiere entwickeln Resistenzen, andere pflanzen sich früher fort. Parallel siedeln Schutzprogramme gesunde Tiere auf krankheitsfreie Inseln um und haben sie sogar wieder auf dem Festland ausgewildert.
📍 Wo kannst du ihn sehen?
✅ In freier Wildbahn nur auf Tasmanien.
✅ In Schutzgebieten und Zoos auf dem australischen Festland.
Die australische Regierung kämpft aktiv für den Erhalt der Art, indem sie gesunde Tiere auf geschützte Inseln umsiedelt. Falls nichts unternommen wird, könnte der tasmanische Teufel innerhalb von 15 Jahren aussterben. 😢

Der Kasuar (Cassowary)
Der Kasuar ist ein beeindruckender Vogel, der mit seinem prähistorischen Aussehen an einen Strauß aus einer vergangenen Zeit erinnert. Er lebt ausschließlich in den tropischen Regenwäldern Nordost-Australiens und zählt mit nur noch rund 1.200 Individuen in freier Wildbahn zu den seltensten Vögeln des Landes.
Mit einer Größe von bis zu 1,70 Metern und einem Gewicht von etwa 70 kg gehört der Kasuar zu den schwersten flugunfähigen Vögeln der Welt. Seine kräftigen Beine verleihen ihm enorme Geschwindigkeit, und seine messerscharfen Krallen machen ihn zu einem wehrhaften Verteidiger seines Territoriums. Konfrontationen mit Menschen sind selten, doch wenn der Kasuar sich bedroht fühlt, kann er äußerst aggressiv reagieren und hat bereits in der Vergangenheit Eindringlinge verletzt.
📍 Wo kann man ihn sehen?
Der Kasuar ist nur in den tropischen Regenwäldern des nordöstlichen Australiens zu finden. Besonders gute Chancen, ihn zu beobachten, hast du rund um Mission Beach und in den umliegenden Wäldern. Dort kannst du mit etwas Glück einen dieser seltenen Vögel in seiner natürlichen Umgebung entdecken.

Der Kookaburra
Dieser einzigartige Vogel aus der Familie der Eisvögel ist vor allem für seinen seltsamen Gesang bekannt: ein spöttisches Lachen! Dieser, in der Kultur der Aborigines mythische Vogel, ernährt sich von allem, was kriecht, fliegt und schwimmt! Du wirst von seinen Schreien sicherlich geweckt werden.
📍 Wo kannst du ihn sehen?
Der ‚Laughing Kookaburra‘ ist im gesamten Osten Australiens zu finden. Er wurde in Tasmanien, im äußersten Südwesten von WA und in Neuseeland eingeführt. Im mittleren Norden und Nordwesten Australiens wirst du den etwas anders aussehenden Blauflügel-Kookaburra vorfinden.

Der Ameisenigel (Echidna)
Dieser seltsame kleine Igel, der allerdings nicht zur Familie der Igel gehört, ist ein symbolisches Tier für Australien, denn er befindet sich auf den 5-Cent Stücken der Australier. Seine lange Schnauze hat empfindliche Sensoren, mit denen er seine Nahrung ausfindig macht…
Seine Schnauze ist starr und kräftig, so dass sie Holzscheite und Termitenhügel zerschlagen können. Ameisen und andere Insekten saugen die Echidnas dann mit ihrer klebrigen, mit Speichel bedeckten Zunge auf, die bis zu 17 cm lang werden kann!
Echidnas haben einen sehr ausgeprägten Geruchssinn, der nützlich ist, um potenzielle Partner zu lokalisieren, Gefahren zu erkennen und nach Nahrung zu schnüffeln. Sie haben kurze Gliedmaßen mit schaufelförmigen Krallen, die sich perfekt zum Graben im Boden eignen.
📍 Wo kannst du ihn sehen?
Man kann sie überall in Australien beobachten (tropische Regenwälder, Küstengebiete).

Die Kragenechse (Frilled Neck Lizard)
Die Kragenechse ist eines der faszinierendsten Reptilien Australiens und vor allem im Norden und Osten des Landes verbreitet. Sie ist bekannt für ihren beeindruckenden Kragen, den sie aufstellt, wenn sie sich bedroht fühlt. Dieses Schauspiel dient dazu, Feinde abzuschrecken, doch tatsächlich ist die Kragenechse völlig harmlos.
Mit einer Länge von über 90 cm (davon macht der Schwanz etwa zwei Drittel aus) und einem Gewicht von bis zu 500 g gehört sie zu den größeren Echsen Australiens. Ihre außergewöhnliche Erscheinung hat ihr eine besondere Ehre eingebracht – sie war einst auf der australischen Währung abgebildet und gilt als Reptilien-Emblem des Landes.
📍 Wo kann man sie sehen?
Kragenechsen sind in den trockenen und tropischen Wäldern Nord– und Ostaustraliens zu finden. Besonders gute Chancen, sie in freier Wildbahn zu beobachten, hat man im Kakadu Nationalpark, in Queensland und in den Northern Territories. Oft entdeckt man sie auf Bäumen oder am Boden, wo sie sich blitzschnell auf zwei Beinen fortbewegen können.
Das Schnabeltier (Platypus)
Mit seinem Entenschnabel und dem Schwanz eines Bibers ist das Schnabeltier eine einzigartige Spezies. Man findet es an der Ostküste des Landes und in Tasmanien. Es spürt Nahrung (kleine wirbellose Tiere) mithilfe von Elektrorezeptoren in seinem Schnabel auf…
Die Größe der Schnabeltiere schwankt zwischen durchschnittlich 40 und 50 Zentimetern. Je nachdem, in welcher Region sie leben, werden die Exemplare größer oder kleiner.
📍 Wo kannst du es sehen?
Das Schnabeltier lebt in Flüssen und Bächen entlang der Ostküste, von Queensland bis Tasmanien. Es ist scheu und vor allem in der Dämmerung aktiv — früh morgens oder kurz vor Sonnenuntergang stehen die Chancen am besten.
- Tasmanien — die besten Chancen überhaupt, etwa am Lake St Clair oder in Latrobe
- Eungella Nationalpark (Queensland) — gilt als zuverlässigster Ort auf dem Festland
- Atherton Tablelands (Queensland) — Yungaburra hat eine eigene Beobachtungsplattform
- Bombala und Kangaroo Valley (New South Wales)
Setz dich ruhig ans Ufer und warte. Schnabeltiere verschwinden beim kleinsten Geräusch — meist verrät sie nur ein kleiner Wasserring an der Oberfläche.

Der Wombat
Der Wombat ist ein kräftiges Beuteltier, das in Ost-Australien und Tasmanien lebt. Trotz seines knuffigen Aussehens kann er bis zu 40 kg wiegen und 1,30 m lang werden!
Ernährung: Pflanzenfresser, der Gras, Wurzeln und Schösslinge frisst.
Schlafgewohnheiten: Schläft bis zu 16 Stunden pro Tag.
Lebensweise: Buddelt weitläufige Höhlen in feuchtem Boden und nutzt seinen ausgeprägten Geruchssinn, um sich zu orientieren.
Bewegung: Kann bis zu 3 km pro Nacht zurücklegen.
📍 Wo kann man ihn sehen?
Wombats leben in Tasmanien, Victoria und New South Wales. Besonders gute Chancen gibt es im Wilson’s Promontory Nationalpark, Blue Mountains oder Cradle Mountain-Lake St. Clair Nationalpark. Sie sind meist nachtaktiv, aber manchmal in der Dämmerung zu sehen.

Der Dingo
Der Dingo ist ein wilder Hund, der vermutlich vor mehreren tausend Jahren nach Australien kam. Er gehört zur Familie der Canidae, unterscheidet sich jedoch von domestizierten Hunden – eine seiner Besonderheiten ist, dass er nicht bellt, sondern heult.
📍 Wo kann man ihn sehen?
Die reinsten Dingos Australiens findet man auf Fraser Island (K’gari) in Queensland. Ansonsten gibt es größere Populationen im Northern Territory, Western Australia und Outback-Regionen von Queensland und South Australia. Besonders in Nationalparks oder abgelegenen Gebieten sind sie oft in kleinen Rudeln unterwegs.

Der Quokka
Quokkas sind niedliche Beuteltiere, die immer zu lächeln scheinen, aber ihr schelmisches Grinsen ist in Wirklichkeit eine Art Erfrischung für sie, denn es hilft ihnen beim Hecheln!
📍 Wo kannst du ihn sehen?
Am bekanntesten ist Rottnest Island vor Perth — dort leben rund 10.000 Quokkas, sie sind an Menschen gewöhnt und kommen einem von selbst entgegen. Das ist der Grund, warum praktisch jedes Quokka-Selfie von dieser Insel stammt.
Sie leben aber nicht nur dort: kleinere Populationen gibt es auf Bald Island sowie in den feuchten Wäldern im Südwesten von Western Australia, rund um Northcliffe und Walpole. Dort sind sie allerdings scheu und schwer zu entdecken.
Anfassen und füttern ist verboten — und wird auf Rottnest tatsächlich kontrolliert. Es drohen empfindliche Geldstrafen. Menschliche Nahrung macht Quokkas krank, und Berührungen stressen sie erheblich. Für ein Selfie gilt: in die Hocke gehen, Kamera bereithalten, warten, bis das Tier von selbst näher kommt.

Der Blobfisch (Blobfish)
Der Blobfisch lebt in 600 bis 1.200 Metern Tiefe vor der Südostküste Australiens und rund um Tasmanien. Sein Körper hat eine geringere Dichte als Wasser, sodass er über dem Meeresboden schweben kann, ohne aktiv zu schwimmen — eine enorme Energieersparnis in einer Umgebung, in der Nahrung knapp ist. Er frisst schlicht, was an ihm vorbeitreibt.
Das berühmte « hässlichste Tier der Welt » sieht so gar nicht aus. Das bekannte Foto zeigt einen Blobfisch, der an die Oberfläche geholt wurde: Ohne den enormen Druck der Tiefsee kollabiert sein Gewebe zu der gallertartigen Masse, die das Internet berühmt gemacht hat. In seinem natürlichen Lebensraum ist er ein ganz normal aussehender Tiefseefisch.
Gesehen wirst du ihn also nicht — es sei denn als Beifang. Genau das ist auch die eigentliche Sorge: Grundschleppnetze in seinem Lebensraum holen ihn regelmäßig mit an Bord.
Die Riesenstabschrecke (Acrophylla alta)
Dieses Tier gehört erst seit 2025 in diese Liste und das ist genau das Bemerkenswerte daran. Acrophylla alta ist eine neu beschriebene Stabschrecke aus den Wet Tropics im Norden von Queensland und gilt nach heutigem Kenntnisstand als schwerstes Insekt Australiens.
Die Zahlen sind beeindruckend: rund 40 Zentimeter lang und etwa 44 Gramm schwer, ungefähr das Gewicht eines Golfballs. Damit ist sie schwerer als die bisherige Rekordhalterin, die Riesen-Grabschabe. Kurioserweise ist sie nicht die längste Stabschrecke des Landes: Es gibt längere Arten, die aber deutlich leichter gebaut sind.
Warum so groß? Die Forscher vermuten eine Anpassung an den Lebensraum. Acrophylla alta lebt in kühlem, feuchtem Hochland-Regenwald, und mehr Körpermasse bedeutet weniger Wärmeverlust. Über Jahrmillionen hat sich die Art dort zu diesem Schwergewicht entwickelt.
Dass ein 40 Zentimeter langes Insekt bis 2025 unentdeckt blieb, liegt an seinem Versteck: Es lebt hoch oben im Kronendach eines kleinen Hochlandgebiets, ein Bereich, den kaum jemand erforscht. Ohne Zyklon oder einen Vogel, der ein Exemplar herunterbringt, bekommt man es schlicht nie zu Gesicht.
Aufgefallen ist die Art übrigens durch ein Foto im Internet: Ross Coupland entdeckte online das Bild einer ungewöhnlich großen Stabschrecke und vermutete sofort eine unbekannte Art. Gemeinsam mit Professor Angus Emmott von der James Cook University suchte er mehrere Nächte lang die Wälder zwischen Millaa Millaa und dem Mount Hypipamee ab bis sie ein Weibchen so hoch im Geäst fanden, dass sie es mit einer langen Stange herunterholen mussten. Beide Exemplare liegen heute im Queensland Museum.
📍 Wo kannst du sie sehen?
Ehrlich gesagt: praktisch nirgends. Die Art ist auf ein kleines Gebiet der Atherton Tablelands beschränkt und lebt im Kronendach. Selbst Forschende brauchten mehrere Nächte, um ein einziges Tier zu finden.
Der eigentliche Punkt ist ein anderer: Wenn ein derart großes Tier bis heute unbemerkt bleiben konnte, wie viel steckt dann noch unentdeckt in den australischen Regenwäldern? Das Kronendach ist kaum erforscht und genau das ist eines der besten Argumente dafür, diese Wälder zu schützen.
Wenn du in den Wet Tropics unterwegs bist: Stabschrecken sind völlig harmlos. Sie beißen nicht, sind nicht giftig und verlassen sich ganz auf ihre Tarnung.
Aktualisiert am 12.08.2026






















