Wie die meisten Länder auf der Welt hat auch Australien seinen eigenen Nationalfeiertag. Dieser wird am 26. Januar gefeiert, dem historischen Datum, das die Ankunft der Siedler auf dem Kontinent markiert. In 2027 fällt der Australia Day auf einen Dienstag – viele Australier (und Backpacker!) nehmen sich am Montag, 25. Januar, einen sogenannten „sickie“ (Brückentag), um ein verlängertes Wochenende von 4 Tagen zu genießen. Der 26. Januar wird im ganzen Land ausgiebig gefeiert, aber immer mehr Stimmen erheben sich und stellen dieses Datum in Frage, das von einigen als Tag der Invasion angesehen wird. Erfahre in diesem Artikel, woher der Australia Day kommt, wie er gefeiert wird und warum er umstritten ist.
Woher kommt der Australia Day (Ursprünge und Erklärungen)?
Warum am 26. Januar?
Alles begann im Januar 1788, als eine Flotte von 11 Schiffen in der Botany Bay landete. Diese Flotte, unter dem Kommando von Kapitän Arthur Philipp, wurde vom Vereinigten Königreich entsandt. Ziel war es, eine Strafkolonie an der Küste von New South Wales zu errichten, die zuvor von Leutnant James Cook im Jahr 1770 erkundet worden war. Es stellte sich schließlich heraus, dass Botany Bay nicht die besten Voraussetzungen für die Gründung der Kolonie bot. Die Flotte legte daher am 26. Januar in Sydney Cove (heute Sydney Bay) an, das einige Kilometer weiter nördlich besser gelegen war.
Der 26. Januar 1788 markiert somit die Gründung der ersten dauerhaften europäischen, genauer gesagt britischen, Kolonie auf australischem Boden.
Vom Foundation Day zum Australia Day
Ursprünglich wurde dieses Datum als „Foundation Day“ oder auch als „First Landing Day“ bezeichnet. Damals feierten Politiker und Geschäftsleute in New South Wales den Erfolg der Kolonie mit privaten Abendessen. Bald wurde dieser Tag mit verschiedenen Sportveranstaltungen in Verbindung gebracht, insbesondere mit Bootsrennen („Regatta“). Im Jahr 1837 fand im Hafen von Sydney zum ersten Mal die sogenannte „Australia Day regatta“ statt. Seit diesem Jahr wird die Tradition fortgesetzt. Im nächsten Jahr, 1838, sollte der 50. Jahrestag der Gründung der Kolonie gefeiert werden.
Man muss jedoch wissen, dass der 26. Januar zu dieser Zeit hauptsächlich in New South Wales gefeiert wurde, da jeder Staat sein eigenes Datum hatte (Western Australia z. B. den 1. Juni). Erst 1888, als sich der Tag zum 100. Mal jährte, begannen alle Kolonialhauptstädte, den „Anniversary Day“ zu feiern.
Es dauerte bis 1935, bis alle Bundesstaaten den Begriff „Australia Day“ übernahmen. 1946 einigten sich das Commonwealth und die Regierungen der einzelnen Bundesstaaten darauf, die Feierlichkeiten am 26. Januar unter dem Namen „Australia Day“ zu vereinheitlichen. Erst seit 1994 ist der 26. Januar zum nationalen Feiertag erklärt worden.

Wie wird er heute gefeiert?
Heutige Feierlichkeiten
An diesem festlichen Tag finden zahlreiche Festivals, Konzerte im Freien, Zeremonien, Festivals und Sportveranstaltungen statt. Im Allgemeinen versammeln sich die Australier jedoch zu Hause oder am Strand, um zu grillen. Auf dem Programm stehen Bier, Footy, Cricket usw. Bootsrennen im Hafen von Sydney sind sehr beliebt, ebenso wie Pferderennen. Nicht zu vergessen sind die berühmten Grillpartys, die die Australier lieben, und natürlich die zahlreichen Feuerwerke, die bei Einbruch der Dunkelheit von überall in Australien abgeschossen werden, um die Feierlichkeiten abzuschließen.
Jedes Jahr findet die Verleihung des Preises „Australier des Jahres“ an eine australische Persönlichkeit statt. Mit dem Preis wird ein Bürger ausgezeichnet, der einen bedeutenden Beitrag für die australische Gemeinschaft geleistet hat. Es gibt verschiedene Kategorien wie „Jugendlicher des Jahres“, „Senior des Jahres“ oder „Lokalheld des Jahres“. Außerdem werden zahlreiche Einbürgerungsfeiern abgehalten, bei denen die australische Staatsbürgerschaft verliehen wird: rund 16 000 neue Bürger aus über 130 Ländern legen den Eid jedes Jahr am 26. Januar ab – damit ist dieser Tag der größte Einbürgerungstag des Landes.
Entwicklung der Feiern
Die australische Nation wird zunehmend dazu veranlasst, über das umstrittene Datum des 26. Januar nachzudenken. An diesem Tag werden verschiedene Veranstaltungen organisiert, um die Kultur der Aborigines einzubinden und den First Nations Respekt zu erweisen. Zwei große Rendez-vous stechen in Sydney besonders hervor:
- WugulOra Morning Ceremony (Barangaroo Reserve): Sonnenaufgangs-Zeremonie, geleitet von den Völkern der First Nations, mit Tänzen, Gesängen und traditioneller „Smoking Ceremony“.
- Yabun Festival (Victoria Park, Sydney): das größte indigene Treffen Australiens, das jährlich am 26. Januar seit 2003 stattfindet. Gratis, mit Musik, Tänzen, Workshops und Vorträgen – ein Muss, um die zeitgenössische Aborigine-Kultur zu entdecken.
Tatsächlich ruft das nationale Komitee für den Australia Day die Australier dazu auf, „mit Freunden und Familie zusammenzukommen und nachzudenken, zu respektieren und zu feiern“.

Ein umstrittenes Datum (Australia Day VS Invasion Day)
Seit einigen Jahren wird der Nationalfeiertag nicht mehr so sehr geschätzt wie früher.Die Begriffe „Invasion Day“ oder auch „Survival Day“ werden immer häufiger verwendet. Wir erklären, warum das so ist.
An diesem 26. Januar 1788 waren es nämlich die britischen Siedler, die in Australien landeten und das Land zu ihrem eigenen erklärten.Auf diesem „terra nullius“ lebten jedoch einheimische Stämme, die sogenannten „First Nations“, die während der Kolonialisierung weitgehend abgeschlachtet wurden. Der 26. Januar wird daher von einigen als Trauertag angesehen, an dem es nichts zu feiern gibt.
Daher finden jedes Jahr im ganzen Land zahlreiche Märsche statt, die die Feier dieses Datums in Frage stellen. In diesen Demonstrationszügen finden sich natürlich Aborigines, aber auch Nicht-Aborigines, die die Sache unterstützen. Diese Demonstrationen gibt es schon seit Jahrzehnten. Bereits 1938, zum 150. Jahrestag der Kolonialisierung, wurden von den Aborigines Märsche für den „Day of Mourning“ organisiert.
Öffentliche Debatte & wachsende Kontroversen
Unternehmen & Organisationen
Die Australian Venue Co kündigte Anfang 2025 an, den Australia Day in mehr als 200 Pubs nicht mehr feiern zu wollen. Nach öffentlichem Aufschrei ist ein Teil des Unternehmens zurückgerudert, aber einige Betriebe halten an ihrer Position fest und sprechen lieber vom „January long weekend“.
Handelsketten wie Woolworths und Kmart hatten die Waren zum Australia Day aus den Regalen genommen, allerdings hat Woolworths 2025 aufgrund der starken Nachfrage der Kundschaft einen Rückzieher gemacht.
Meinungsumfragen & öffentliche Debatte
Laut einer Umfrage vom Januar 2025 unterstützen 69 % der Australier, dass das Datum weiterhin der 26. Januar bleibt, mit einem bemerkenswerten Anstieg unter den 18–24-Jährigen.
Allerdings möchten 53 % der jungen Erwachsenen (18–34) das Datum ändern, gegenüber 29 % der über 75-Jährigen. Es entstehen also geografische und generationelle Spaltungen: mehr Unterstützung für einen Wandel in urbanen Zonen und bei Frauen, die progressiver sind als Männer.
Politische & lokale Initiativen
Die First Peoples‘ Assembly wird stark kritisiert dafür, Anti-Australia-Day-Aktionen zu fördern, trotz einer öffentlichen Finanzierung von über 82 Mio. AUD in 2023–24.
Vor den Bundestagswahlen im Mai 2025 hatte Peter Dutton, damals Oppositionsführer, versprochen, die Verpflichtung für die Gemeinderäte wiedereinzuführen, die Einbürgerungsfeiern am 26. Januar abzuhalten. Seine Niederlage gegen Anthony Albanese (Labor, wiedergewählt) hat dieses Projekt zunichte gemacht.
Mehrere Gemeinderäte, insbesondere in Victoria und Dubbo (NSW), haben beschlossen, ihre Feierlichkeiten offiziell auf den 25. Januar ab 2026 zu verschieben.
Was das für 2027 bedeutet
- Trotz einer breiten Mehrheit für die Beibehaltung des Datums ist die Debatte nicht abgeschlossen: Zusammenstöße zwischen Tradition und historischer Gerechtigkeit, Jung gegen Alt.
- Die Haltung öffentlicher und privater Institutionen spiegelt einen Übergang zu weniger symbolischen Feiern wider.
- Für viele bleibt der 26. Januar ein aufgeladenes Datum, das eine ehrliche Versöhnung oder gar eine zukünftige Änderung erfordert.
Praktische Tipps für Backpacker
Der Australia Day 2027 fällt auf einen Dienstag, den 26. Januar. Anders als 2026 (Montag = automatisches langes Wochenende) musst du diesmal am Montag, den 25. Januar, einen „sickie“ oder Brückentag nehmen, um ein verlängertes Wochenende von 4 Tagen zu genießen – eine in Australien sehr verbreitete Praxis! Hier sind die nützlichen Anhaltspunkte, wenn du an diesem Tag in Australien bist:
- Geschäfte & Behörden: Die meisten Geschäfte, Banken und Büros sind am Dienstag, 26. Januar, geschlossen. Supermärkte (Woolworths, Coles) haben in der Regel eingeschränkte Öffnungszeiten – erledige deine Einkäufe am Wochenende.
- Öffentliche Verkehrsmittel: In mehreren Städten (Sydney, Melbourne) fahren die öffentlichen Verkehrsmittel zum Sonntagstarif oder sind sogar gratis an diesem Tag. Prüfe die offizielle Website der Stadt vor deiner Fahrt.
- Gratis-Events in Sydney: Ferrython (Fährrennen in der Bucht, ab 11 Uhr), WugulOra Morning Ceremony am Barangaroo Reserve (ab 6:30 Uhr), Yabun Festival im Victoria Park (den ganzen Tag), Feuerwerk am Darling Harbour am Abend.
- Woanders: In Melbourne sind die Parade und die Events am Federation Square für alle offen. In Adelaide findet jährlich der Australia Day Pageant statt. In Perth wird Feuerwerk am Swan River gezündet.
- Barbecue am Strand: Das ist DIE Tradition. Öffentliche BBQ (Bondi, Coogee, St Kilda) werden schon in der Früh besetzt. Achtung: Alkohol ist an den meisten öffentlichen Stränden verboten (Bußgelder bis zu 1 100 AUD in Sydney). Suche autorisierte Zonen oder gehe in einen Park.
- Beide Perspektiven respektieren: Nichts hindert dich daran, an den Feierlichkeiten teilzunehmen und gleichzeitig morgens an einer Aborigine-Zeremonie (WugulOra, Yabun Festival) teilzunehmen. Eine schöne Art, die vollständige Geschichte des Landes zu ehren.
💡 Zu beachten: 2028 markiert den 240. Jahrestag der Ankunft der First Fleet – ein symbolischer Meilenstein, der die Debatte über das Datum des Nationalfeiertags erneut anheizen dürfte.





















